Mehr als Popkultur

Eine etwas längere Fußnote zum Wonder Woman Motiv

Wonder Woman hat in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen. Ihr Porträt lacht uns auf T-Shirts entgegen, ihr Doppel-W ist auf Tassen oder als Schmuck erhältlich und zuletzt war sie neben Superman und Batman im Kino zu sehen. 2017 wird sie sogar in einer eigenen Verfilmung auf die Leinwand kommen. Wir wollen mit dem Wonder-Woman-Motiv für unsere Workshopreihe „Skils for Intervention – F_Antifa Aktion!“ nicht einfach auf den popkultuerellen Hype um die Figur aus den DC-Comics aufspringen. Für uns steht Wonder Woman symbolisch für den Kampf gegen Nazis, für Feminismus und für sexuelle Selbstbestimmung.

Kampf gegen Nazis
Wonder Woman war die erste weibliche Superheldin und entstand, wie auch Captain America, Superman und andere US-amerikanische Comic-Helden, in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. 1941, als Wonder Woman ihren ersten Auftritt in All-Star Comic Nr. 8 hatte, war das Jahr, in dem die USA in den Krieg eintraten. Wie auch die männlichen Comicfiguren, so kämpfte Wonder Woman in den fiktiven Erzählungen gegen die Nazis in Deutschland und ihre Verbündeten. Die politische Färbung und der US-amerikanische Patriotismus äußerte sich nicht nur in den Geschichten, sondern auch im Kostüm der Heldin: Neben ihrer goldenen Tiara und den goldenen Bartelts, trägt sie eine blaue, kurze Hose mit weißen Sternen, die an die Flagge erinnert und auf der Brust prangte ein großer goldener Adler (zumindest in den Zeichnungen der ersten Jahre, später sind hier zwei Ws übereinander zu sehen) – das Siegel der USA.

Feminismus und sexuelle Selbstbestimmung
Die Story von Wonder Woman ist kurz umrissen: Sie ist eine griechische Amazone mit Superkräften, die in die USA geht, um für Frieden, Gerechtigkeit und Frauenrechte zu kämpfen. Doch die wirkliche Geschichte hinter der fiktiven feministischen Utopie von Wonder Woman ist deutlich umfangreicher und wohl den wenigsten bekannt. In „The Secret History of Wonder Woman“ schreibt die Harvard Professorin Jill Lepore über die Ursprünge und Verknüpfungen von Wonder Womans Macher William Moulton Martson und den Frauen, die er liebte und über deren Engagement in der amerikanischen Frauenbewegung. Insbesondere die beiden engagierten Feministinnen Elisabeth Holloway und Olive Byrne, mit denen Martsons in einer polyamorösen Beziehung lebte, prägten die Comics in den 1940er Jahren. Ein weiteres Vorbild für Wonder Woman war die Frauenrechtlerin Margarete Sanger, die Tante von Byrne. Und so finden sich in den Martsons Comics Motive von Protesten der Suffragetten, von Aktionen für sexuelle Selbstbestimmung und anderen feministischen Kämpfen.

Heute gibt es diese Darstellung nicht mehr. Die Inhalte sowie die Optik der Hauptprotagonistin haben sich verändert: Während in den Anfängen Wonder Woman sportlich und muskulös gezeichnet wurde, wurden über die Jahre die Hose kürzer, die Brüste größer und das ganze Äußere normativ „schön“. Während in den 1940er Jahren die Visualisierung von weiblicher Körperlichkeit und eigener Sexualität – in dem zu der Zeit äußert rigiden und prüden Amerika – durchaus progressiv war, wird die weibliche Superheldin Nr. 1 inzwischen zu einem sexuellen Objekt degradiert.

Neben der Kritik – und sicher gibt es in den Comics, auch der ersten Jahre, vieles zu kritisieren – möchten wir an die ursprünglichen Ideen von Wonder Woman erinnern: Gegen Nazis und für den Feminismus!

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